12.08.2013

Vom Botschafter - Staatsbesuch des isländischen Präsidenten

In der letzten Juniwoche kamen  der isländische Staatspräsident  S.E.  Ólafur Ragnar Grímsson und seine Gattin, Frau Dorrit Moussaieff  auf Einladung des Bundespräsidenten zum offiziellen Staatsbesuch nach Deutschland.   Der isländische Außenminister S.E. Gunnar Bragi Sveinsson hat sie begleitet, neben Vertretern aus Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Forschung.  Bereits im Jahr 2008 war ein isländischer Staatsbesuch geplant, welcher dann jedoch  kurzfristig abgesagt werden musste als die Bankenkrise im Oktober 2008 Island besonders hart getroffen hat.   Dass der Staatsbesuch nunmehr jetzt stattfinden konnte  hat also einen gewissen Symbolwert  und zeigt, dass Island  sich nach der Krise auf dem richtigen Weg befindet.
In Gesprächen mit Bundespräsident Gauck, Bundeskanzlerin Merkel und Bundestagspräsident  Lammert ging es u.a. um die  Themen Arktis und um Energie.   Tatsächlich wird das Gebiet der Arktis immer wichtiger hinsichtlich Klimaforschung,  Logistik und Nutzung  von  Bodenschätzen und es wird daran gearbeitet,  wie man die deutsch-isländische  Zusammenarbeit in diesen Bereichen  weiter entwickeln kann.  Auch der  Energiesektor bietet vielfältige Möglichkeiten, wobei der Schwerpunkt in der Entwicklung der Zusammenarbeit auf  Erneuerbare Energie, insbesondere Geothermie, liegt.  
Bei diesen Gesprächen hatte Außenminister Gunnar Bragi Sveinsson auch Gelegenheit,  die Europapolitik der neuen isländischen Regierung  zu erläutern.
Das Programm des Besuches war sehr vielfältig. Am Vorabend gab es im Studio von Ólafur Elíasson in Berlin einen Empfang zu Ehren des Präsidenten. Zahlreiche Persönlichkeiten aus dem deutschen und isländischen Kulturleben folgten der Einladung und erlebten einen Abend mit  guten Gesprächen und  zeitgenössischer isländischer Musik, gespielt von jungen isländischen Musikern. 
In Berlin hielt der  Präsident dem Impulsvortrag auf  einem hochrangig besuchten  Energieseminar, auf dem sich im Haus der Commerzbank am Brandenburger Tor führende isländische Unternehmen vorstellten. Der Präsident besuchte die Humboldt-Universität und traf sich mit Wissenschaftlern der mehrerer Nordeuropa-Institute in Deutschland. In der isländischen Botschaft eröffnete der Präsident eine  Veranstaltung  mit führenden Exportunternehmen Islands, die von der AHK Island organisiert wurde. Der Berlin-Aufenthalt endete mit einem Empfang im Felleshus der Nordischen Botschaften und der Finissage der Ausstellung  „TÖLT – Inspiration Islandpferd“ mit einem  Ausblick auf die Islandpferde-Weltmeisterschaft im August 2013 in Berlin.
Nach Berlin ging die Reise weiter nach Bremen und Bremerhaven, wo der Schwerpunkt des Programms traditionsgemäß auf Logistik und Meeresressourcen lag.  In Bremen wurden der Präsident und die isländische Delegation von Bürgermeisterin Karoline Linnert, in Vertretung von Jens Böhrnsen, empfangen und es gab  ein Gespräch mit den Geschäftsführern von Bremen Ports und Kooperationspartnern in Island.  Bremen Ports arbeitet gegenwärtig an einer Machbarkeitstudie zum Hafenausbau in Nordost-Island und der Präsident informierte sich über das Vorhaben und besichtigte am nächsten Tag Hafen und Kaianlagen in Bremerhaven.  Beim Besuch des Alfred Wegener Instituts für Polar- und Meeresforschung  gab es ein Rundtischgespräch mit Wissenschaftlern zu aktuellen Fragen der Forschung in der Arktis. Anschließend eröffnete der Präsident ein Seminar zur nachhaltigen Fischerei in Island,  welches von der Botschaft und Promote Iceland im Deutschen Schiffahrtsmuseum ausgerichtet wurde. 
 
 
Die letzte Etappe des Besuchs führte nach Leipzig und war vorwiegend der kulturellen Dimension der deutsch-isländischen Beziehungen gewidmet.    Schon bei dem Abendessen in  Auerbachs Keller auf Einladung von Ministerpräsident Stanislaw Tillich waren deutsche Künstler wie Neo Rauch und Vertreter verschiedener  Kulturinstitutionen anwesend.   Am letzten Tag seines Besuches in Deutschland hielt  der Präsident eine Vorlesung an der  Universität Leipzig zum Thema „Democracy or Financial Markets - are we at historic crossroads“.  In Dankbarkeit der großen Rolle, die Leipzig für die Entwicklung des musikalischen Lebens in Island spielte, gab es eine musikalische Matinee an der Musikhochschule Leipzig, wo der Präsident  die wichtigsten Vorreiter der isländischen Musik würdigte, die in Leipzig lebten und studierten, unter ihnen  den Komponisten der isländischen Nationalhymne Sveinbjörn Sveinbjörnsson, der an eben  diesem Tag 166 Jahre alt geworden wäre.
Anschließend wurde eine Gedenktafel für den Dichter und Übersetzer Jóhann Jónsson an seinem Wohnhaus in Leipzig enthüllt. Er gilt als Wegbereiter der Moderne in der isländischen Dichtung und hat etliche Jahre in Leipzig gewohnt und ist auch dort gestorben. 
Der Besuch des Präsidenten begann mit dem Gespräch mit Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin und endete mit dem Besuch der Nikolaikirche in Leipzig, wo die friedliche Revolution 1989 in Deutschland ihren Anfang nahm.  
 


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