SPARK DESIGN SPACE IN BERLIN 30.01. - 10.04.2015

SPARK DESIGN SPACE wurde 2010 von Sigríður Sigurjónsdóttir gegründet, die damals Produktdesign an der Iceland Academy of the Arts unterrichtete. Ihr Ziel war es, eine Plattform für ausgezeichnete Designprojekte zu schaffen, die lokale Talente fördert. SPARK möchte Projekten, die es bislang nur bis zur Phase der ersten Prototypen geschafft haben, die Möglichkeit geben, fertiggestellt und ausgestellt zu werden. 

SPARK besteht aus zwei Elementen – einer Ausstellung und einem Geschäft. Nach jeder Ausstellung ziehen die Objekte in den Laden um, der inzwischen zur ersten Adresse für isländisches Design geworden ist. Seit der Gründung hat SPARK 15 Projekte ins Leben gerufen. Vom 30. Januar bis zum 4. April 2015 ist SPARK im Felleshus in Berlin zu Gast. Es werden vier Projekte ausgestellt:

 

 

‚Anatomie der Buchstaben’

Grafikdesignerin: Sigríður Rún

‚Urban Shape’

Architekt: Paolo Gianfrancesco

‚Prik’

Produktdesigner: Brynjar Sigurðarson

‚Skvís’

Grafikdesigner: Siggi Eggertsson.

Zwei der präsentierten Designer, Siggi Eggertsson und Brynjar Sigurðarson, leben in Berlin, so dass sich das Ausstellen ihrer Arbeiten anbietet. Die beiden anderen beschäftigen sich mit Städteplanung und Buchstaben, beides übergreifende Themen, die in unserem Leben eine Rolle spielen.

Unsere Hoffnung ist, dass die Ausstellung einen regen Austausch zwischen den Design-Szenen in Berlin und Reykjavík in Gang setzen wird.

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SPARK | DESIGN SPACE

Prik

Brynjar Sigurðarson

Nach seinem Bachelor-Studium an der Iceland Academy of the Arts (IAA) besuchte Brynjar Sigurðarson den Master-Studiengang für Produktdesigner an der ECAL in Lausanne. Für seine Diplomarbeit an der IAA hatte er sich einen Monat lang an den Vopnafjörður (Waffen-Fjord) zurückgezogen. Er verbrachte diese Zeit in einer kleinen, ländlichen Gemeinde im Nordosten von Island. Für dieses Projekt war es Brynjar wichtig, einen Ort auszuwählen, an dem er noch nie vorher gewesen war. Nach seinen dortigen Begegnungen mit Bauern, Fischern, dem örtlichen Geistlichen, dem Bürgermeister, Stricker_innen und einem Hai-Jäger entwarf er eine Serie von Einrichtungsgegenständen ohne konkrete Funktion. Der Einfluss der Reise ist in den Arbeiten deutlich spürbar: bei den Herstellungsmethoden, den Materialien, den Farben und den Formen. Eine Technik, die bei den meisten Objekten dieses Projektes Verwendung findet, lernte er von einem 70jährigen Fischer. Er hatte ihn besucht, als dieser gerade mit Filetnadel und Nylonschnur seine Netze für die kurz bevorstehende 100-tägige Lumpfisch-Fangsaison vorbereitete. Brnyjar erlernte die Methode und machte sie zum zentralen Thema seines Projektes. Wenn man Dinge, Methoden, Materialien und Formen aus ihrer gewohnten Umgebung herausnimmt oder sie in ein neues Umfeld versetzt, kann das ihre Funktion und ihre Bedeutung verändern, manchmal sogar ins Gegenteil umkehren.

Inzwischen hat Brynjar sein Projekt weiter entwickelt und um eine Stöcke-Sammlung erweitert. Die dabei entstandenen Objekte haben ebenso wenig konkreten Nutzen wie die ursprünglichen Einrichtungsgsgenstände. Sie sind ein Stück Kindheit und haben dadurch ein spielerisches Element. Außerdem ist da immer der Bezug zu Werkzeug und Waffen. Häufig fungieren Stöcke als Verlängerung des Körpers, oder als Stütze, wie beim Spazierstock. Bei SPARK benutzen wir Stöcke, um das Deckenlicht an- und auszuschalten, oder um hoch gehängte Ausstellungsstücke besser zu erreichen.

Seit seinem Aufenthalt am Vopnafjörður 2009 hat Brynjars Arbeit ihn an viele Orte geführt. Er studierte an der ECAL in Lausanne, währenddessen folgten Praktika im Chris Kabel Studio in Rotterdam und im Big Game Studio in Lausanne. Außerdem arbeitete er an einem Projekt auf einem Milchbetrieb in Südost-Island mit und nahm an einer Pecha Kucha beim Festarch-Architekturfestival in Perugia in Italien teil. Bei der Design Parade 6 in der Villa Noailles in Hyeres in Frankreich stellte er seine an der ECAL und an der IAA entstandenen Objekte aus und gewann damit den Grand Prix. Dann nahm Brynjar an einem von dem Schuhfabrikanten Camper in Mallorca gesponserten Workshop teil. Er arbeitete im Auftrag der ECAL an einem Forschungsprojekt über Glas. Gleichzeitig betrieb er sein eigenes Studio in Lausanne. Dort beschäftigte er sich mit verschiedenen Projekten, beispielsweise im Auftrag der französischen Porzellanhersteller Sèvres und Cirva, dem Zentrum für Glasforschung in Marseille.

Während der Design Indaba Conference in Kapstadt in Südafrika nahm er an einer weiteren Pecha-Kucha teil. Der dänische Pelzfabrikant Copenhagen Fur stellte einige teilweise aus Pelz gearbeitete Stücke aus seiner Abschlussarbeit von der ECAL aus. Die Zeitschrift Blueprint lobte dieses Projekt als eine der besten Abschlussarbeiten 2011. Noch im gleichen Jahr wurde Brynjar von den Bourollec-Brüdern ausgewählt, den Titel einer Sonderausgabe der Zeitschrift Wallpaper zu gestalten. Was ursprünglich eine einfache Landpartie war, wurde im Laufe der Jahre eine viel längere Reise, eine Begegnung mit neuen Menschen, Kulturen, Techniken, Materialien, Farben und Formen. Brynjar lebt heute in Berlin, als Weltreisender und Entdecker. Der schöne Wanderstock in seiner Hand ist ein Symbol dafür.

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Anatomie der Buchstaben

Sigríður Rún

In ‚Anatomie der Buchstaben’ erweckt Sigríður Rún sieben Buchstaben des Alphabets zum Leben. Die Künstlerin behandelt sie wie lebende Organismen und gibt ihnen eine eigene Anatomie, Verhaltensmuster und eine Geschichte.  Begonnen hat das Projekt 2012 als Abschlussarbeit an der Iceland Academy of Arts.

Für die Ausstellung bei Spark Design Space gab Sigríður Rún allen isländischen Buchstaben eigene Knochengerüste, die auf ihrer Recherche der menschlichen und tierischen Anatomie basieren. Sie bezieht sich dabei hauptsächlich auf die Knochenstruktur von Vögeln, Dinosauriern und prähistorischen Vögeln. Die Schrift geht auf einige seltene Exemplaren der ältesten erhaltenen isländischen Manuskripte zurück, wie beispielsweise Die Saga von Egil Skallagrímsson von ca. 1250 v.Chr.

Meist wird der Begriff ‚Anatomie’ im Zusammenhang mit dem Körperbau lebender Wesen benutzt. Aber man kennt ihn auch aus der Typografie, wo man damit die Struktur von Buchstaben beschreibt.

Sigríður Rún verwendet die Schnittmenge aus diesen beiden Themen als Anfangspunkt, um die Buchstaben als körperliche Objekte zu zeigen statt als Symbole.

Für ihre Präsentation der anatomischen Buchstaben bedient Sigríður Rún sich einer Bildsprache, die normalerweise wissenschaftlichen Objekten und Fakten vorbehalten ist – Glasvitrinen, in denen Skelette im Naturkundemuseum ausgestellt sind, oder Zeichnungen und Informationstexte im Stil alter wissenschaftlicher Bücher.

Dadurch wirkt die Darstellung ihrer Buchstaben so überzeugend, dass der Betrachter verwirrt beginnt, daran zu glauben, dass das Alphabet wirklich aus lebenden Organismen besteht. 

Sigríður Rún hat einmal gesagt: ‚Menschen haben die Möglichkeit, kraft ihrer Fantasie etwas Neues zu erschaffen. Manchen fällt das leichter als anderen. Dieses Projekt weitet die Fakten über die Herkunft der Buchstaben aus bis zu einem Punkt, mit dem jeder etwas anfangen kann. Wenn die Fakten zu verschwimmen beginnen, ist das ein Zeichen dafür, dass der Betrachter diese Schöpfung wirklich verstehen kann. Diejenigen, die sich einen Blick auf diese Welt erlauben, können sie auf die gleiche Weise genießen wie ich das tue. Die anderen werden wunderschöne Zeichnungen von etwas sehen, das sie an frühere Zeiten erinnert, auch wenn sie nicht unbedingt die Idee selbst nachvollziehen können.’

Die Ausstellung besteht aus 41 Drucken und einem Plakat, das alle Buchstaben des Alphabets zeigt. Die Drucke werden einzeln oder als ganzes Set verkauft, handsigniert, aber ohne Bindung, wie es in der Natur der Buchstaben selbst liegt.

Häufig kommt die Initialzündung für großartige Studentenprojekte von Lehrern und Fachleuten, die offen sind und andere gerne an ihrem Wissen teilhaben lassen. Diese Arbeiten sind durch Lajos Major, einen Gastprofessor aus Ungarn, der an der IAA unterrichtete, inspiriert, und wurden von Guðvarður Már Gunnlaugsson, einem Experten für historische Manuskripte am Árni Magnússon Institut in Reykjavík, betreut.

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Urban Shape / Borgarlandslang

Paolo Gianfrancesco

Urban Shape ist eine Reihe von Stadtplänen, die vom Architekten Paolo Gianfrancesco gestaltet wurden. Er nutzt dafür die Daten des Online-Gemeinschaftsprojektes OpenStreetData, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine komplette, offene Karte der ganzen Welt zu erstellen, die von den Usern geändert werden kann.

Die Serie ‚Urban Shape’ besteht aus allen großen europäischen Hauptstädten. Die Absicht des Künstlers ist es, eine lebendige, moderne Interpretation des klassischen Stadtplans zu zeigen, wobei er sich auf die Form der Stadt in Bezug auf ihre Kommunikationswege konzentriert.

Jede Hauptstadt hat ihren eigenen Rhythmus und ihre eigene Balance, ein unsichtbares Gleichgewicht zwischen den Freiräumen und Gebäuden. Um die jeweilige städtische Umgebung deutlicher herauszuarbeiten, werden die Daten auf das Wesentliche reduziert. Oft sind Naturerscheinungen für die Form der Städte verantwortlich: sie liegen an Flüssen, auf einem Berg oder ziehen sich an der Küste entlang; andere haben militärische Grenzen. Die Pläne zeigen den gegenwärtigen Zustand der Open-Source-Karten. Wie auch die Karten von früher zeigen diese eine Ansicht der Realität und kein genaues Abbild davon. Die Städte entwickeln sich ständig weiter; der Alltag der Stadt ist im Fluss und wird täglich durch die Menschen verändert.

Wie in früheren Zeiten auch sprechen diese Pläne nicht die Wahrheit, sondern geben einen Standpunkt wieder. Es gibt sie in hoher Auflösung gedruckt in der Größe 66 cm b x 96 cm h. Die Farben basieren auf dem Pantone-Farbfächer. Dabei sind die Städte mit den höheren Einwohnerzahlen dunkler und die mit den geringeren Einwohnerzahlen heller. Die Pläne werden in limitierter Stückzahl von 50 gedruckt und zeigen an, wann genau die Daten bei OSM entnommen wurden. Alle Pläne sind nummeriert und handsigniert.

Der rosafarbene Plan von Reykjavik wurde speziell im Auftrag von SPARK hergestellt. Alle Exemplare sind vom Designer signiert, dies ist aber keine limitierte Auflage.

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Skvís

Siggi Eggertsson

Es gibt eine spezielle Verbindung zwischen Verstand, Sicht, feinmotorischen Bewegungen und Händen. Ihr Abbild in der virtuellen Welt der digitalen Technologie hat eine neue Spezies des Homo Sapiens hervorgebracht. William Gibson, der amerikanische Science-Fiction-Papst, bezeichnete diese neue Art vor 30 Jahren als ‚Cyberpunks’. Die Vertreter dieser Spezies hatten so gut wie von Geburt an eine fast untrennbare Verbindung mit Keyboard, Computer-Bildschirm und Maus. Die unendliche virtuelle Welt scheint ein Zufluchtsort zu sein, eine Erweiterung und eine Reflektion ihrer Gefühle und Gedanken. Erreicht diese Nähe eine bestimmte Intensität, wird die Spezies eins mit der virtuellen Welt.   

Siggi Eggertsson ist ein Künstler dieser neuen Welt. Er ist 1984 geboren, also gerade 30 Jahre alt geworden. Schon seit seiner frühen Kindheit besucht er immer wieder die virtuelle Welt. Er hat sich noch nie besonders dafür interessiert, was als normal gilt. Lieber taucht er tief ein in die einfachen, quadratischen Formen, die der visuellen Präsentation von Bildschirmfoto und Ausdruck zugrunde liegen.

Uralte Muster, die man in Tontäfelchen, Mosaiken oder Textilien findet, basierten auf Geometrie, Quadraten oder einer linierten Seite – identisch mit denen, die Siggi Eggertsson verwendet. Muster wurden früher als Darstellung von etwas Höherem, dem ‚Unsichtbaren’, das nicht von dieser Welt ist, betrachtet – und letztendlich genau so benutzt, wie es im Cyberspace auch geschieht. Rein geometrische Muster ohne Bezug zur biologischen Welt, Flora und Fauna, waren arabischer oder fernöstlicher Herkunft. Muster, die sich auf Flora und Fauna, Pflanzen und Vögel beziehen, kamen aus Rom. Eine Kombination aus Abstraktem und Realem findet man in den Mandalas aus Indien oder China.

Die Methodik ist tatsächlich gleich – quadratische Formen auf horizontalen und vertikalen Linien. Die Dichte der Quadrate, oder der Auflösung, wie wir es heute nennen, ist das einzige Kriterium dafür, ob wir in dem Muster etwas Reales erkennen. Die am höchsten aufgelöste Fotografie kann so weit vergrößert werden, dass sie Quadraten auf einer linierten Seite gleicht, ganz ohne Realitätsbezug. Siggi arbeitet mit einem in ein Quadrat eingefügten Viertelkreis – es ist sein Erkennungszeichen.

Das Wesen der Muster ist fast immer spirituell – eine Ahnung von göttlicher Schönheit. Diese Schönheit der Unendlichkeit ist in Siggis Arbeiten immer vorhanden. Es mag hier eine Verbindung zu den Methoden der Bewusstseinserweiterung geben, wie zu Hippiezeiten durch die Einnahme von Substanzen oder Meditation. Das Bestreben war und ist, einen Blick auf eine andere Welt zu erhaschen, die kein Abbild unserer eigenen Welt ist, sondern in unserer Welt drin steckt. In dieser verborgenen Welt gibt es frei umher schwebende Göttinnen, wie man sie in Siggi Eggertssons Bildern aus einer Welt findet, die nur wenige unter uns gesehen haben. Dies ist eine Reise in die Unendlichkeit. Hier können wir einen flüchtigen Blick auf diese Göttinnen werfen und ihnen für einen kurzen Moment in die Augen sehen.

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Partner und Sponsoren sind: Minimum Einrichten Berlin, 12 Tónar, Promote Iceland and WOW Air.

 

 

 

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