Premiere des Filmes Im Bann der Pferde

Island ist das Sehnsuchtsziel im Norden. Die größte Vulkaninsel der Welt ist bekannt für eine grandiose Landschaft, für ihre Geysire und Gletscher. Aber noch berühmter ist sie für ihre Pferde. Islandpferde gelten als die spritzigsten und zugleich ausdauerndsten in ganz Europa. In stürmischem Stakkato tölten sie über Mooskissen und Lavagestein. Unerschrocken ziehen sie durch Flüsse, über Gletscher und Geröllfelder. In der nordischen Mythologie kommen die Rösser gleich nach den Recken. Was wäre Siefgried ohne sein Pferd Grani, was Odin ohne Sleipnir. Selbst die Sonne käme nicht vom Fleck, zögen nicht „Frühwach“ und „Allgeschwind“ ihren Wagen. Von Beginn der Kolonisierung an waren die Isländer derart eng mit ihren Pferden verbunden wie sonst nur die Reitervölker Zentralasiens. Und bis heute ist etwas geblieben von der Liebe zu den Pferden.

Auch für Haukur Goroarsson wäre ein Leben ohne seine Pferde undenkbar. Der 34jährige lebt mit seiner Familie im Vatnsdalur, einem fruchtbaren Tal im Norden, vier Autostunden von der Hauptstadt Reykjavik entfernt. Für ihn sind Islandpferde „eine Art Wikinger auf vier Beinen“. Ohne die Tiere wäre die Besiedelung der unwirtlichen Insel am Polarkreis nicht möglich gewesen. Die Steinwüsten des Landesinneren sind zu weitläufig, als dass sie sich zu Fuß durchqueren ließen.

Haukur Goroarsson betreibt Pferdezucht und bietet Ausritte für Gäste aus aller Welt an. Diesen Sommer hat er einen waghalsigen Plan: einen Ritt vom ewigen Eis der Gletscher zurück bis an die Küste. Damit will Haukur eine in Vergessenheit geratene Verbindung ins Vatnsdalur ausprobieren, um sie später für Reitgäste anbieten zu können. Sein 13jähriger Sohn Haukur Marian, selbst ein begeisteter Reiter, wünscht sich nichts sehnlicher, als bei diesem Ritt dabei sein zu dürfen.

Der Film aus der Reihe „Im Bann der Pferde“ führt mit eindrucksvollen Bildern in die Welt am Rande des Polarkreises und portraitiert Familie Goroarsson bei ihrer Arbeit mit den Pferden. Die Dreharbeiten beginnen im Sommer, wenn die Tage auf Island weder beginnen noch enden, weil es nicht dunkel wird. Jedes Jahr im Juli treibt Haukur einen Großteil der Pferde auf die Hochweiden. Damit folgt er einer jahrhundertealten Tradition. Drei Monate lang können die Tiere dort in absoluter Freiheit verbringen. Erst im Herbst, wenn im Tal oft schon Schnee liegt, ist „rettir“, der Abtrieb der Pferde. Überall im Land werden dann die Tiere wieder zusammengetrieben, gezählt und zu den Heimathöfen gebracht.

Doch bis dahin gibt es für Haukur viel zu tun. Regisseurin Lisa Eder begleitet ihn und seine Familie auf dem Weg durch das dünn besiedelte Land nach Myvatn, einer Seenlandschaft im Norden. Dort will er ein Pferd für seinen Sohn kaufen, das vielleicht geeignet ist für den großen Ritt.

Das Kamerateam ist auch mit dabei, wenn Haukur Marian an einem Turnier teilnimmt und immer wieder übt für den Höhepunkt des Jahres: den Ritt zum Gletscher.  

Riesige Schildvulkane erheben sich dort in die Wolken, bedeckt von Eis. Drei Viertel von Island sind Wüste. Endlose Lava- und Geröllfelder bilden das zentrale Hochland. Weitgehend eben, wird es immer wieder von Spalten und Schluchten durchzogen.

Wird Haukur Marian es schaffen, bei diesem Ritt dabei zu sein?

Dokumentarfilm, 43 Minuten, 2009

Regie: Lisa Eder

Kamera: Richard Ladkani

Schnitt: Verena Schönauer

Redaktion: Ulrike Becker, SWR

 



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