Nordfra - das skandinavische Jazzfestival in Leipzig mit isländischer Beteiligung

Kaum einer jungen Jazz-Szene wird international derzeit so große Aufmerksamkeit gewidmet wie der in Skandinavien. Als Nachfolger der Jazzveteranen der „ECM-Generation“ und des sogenannten „nordischen Sounds“ ist der norwegische Pianist Bugge Wesseltoft sicherlich einer der bekanntesten und etabliertesten Vertreter der jüngeren Generation. Sein Osloer Label Jazzland gilt schon seit über 10 Jahren als Knotenpunkt für experimentierfreudige, innovative Musiker aus Schweden, Norwegen und Dänemark, die sowohl mit elektronischen als auch mit akustischen Genres spielen.

Und wie sieht es ganz aktuell aus mit den Jazzszenen in Dänemark, Island, Norwegen und Schweden? Was macht die jüngste Generation der Musiker? Die Antwort auf diese Fragen muss vielschichtig ausfallen, denn die Bandbreite der Stile, die man vorfindet, lässt sich nicht einfach auf einen Begriff bringen. Es gibt die spontane, unvorhersehbare Improvisation in großer Besetzung genauso wie energischen, straighten Groovejazz und experimentierfreudige, völlig wilde Mischungen aus allen nur erdenklichen Musikstilen von Rock, Tango, verschiedenen Folk-Stilen, Fusion, Avantgarde über Pop – am Ende greift sowieso kein Stilbegriff mehr.

Das Nordfra Festival stellt an drei Abenden sechs blutjunge Jazz-Bands aus den vier großen skandinavischen Ländern vor, die – fast alle preisgekrönt und in ihren Heimatländern schon keine Neulinge in der Szene mehr – zu den spannendsten, kreativsten Projekten nordfra, also aus dem Norden, gehören und ihren Weg zu internationaler Bekanntheit gerade antreten.

Festivalprogramm:

Freitag, 4. Mai 2007 | 20:30 Uhr

Fattigfolket ist ein international preisgekröntes schwedischnorwegisches Quartett. Ihre Musik vereint die wilde Energie der amerikanischen Avantgarde mit den kraftvoll melodischen Klängen des Nordens. Fattigfolket schaffen die perfekte Balance zwischen Komposition und Improvisation, schrieb das norwegische Magazin Jazznytt, mit einem nüchternen Tonvokabular, minimalistischen Themen und einfachen Melodien schaffen sie eine einfach beeindruckend schöne Musik. Mit gekonnter Leichtigkeit, oft auch spielerisch disharmonisch, bewegen sie sich in Gebieten zwischen klassischem und frei improvisiertem Jazz. (Jazzdimensions)

Gunnar Halle(Trompete), Hallvard M. Godal (Saxofon), Putte Frick-Meij (Kontrabass), Ole Morten Sommer (Schlagzeug)

www.fattigfolket.com

 

JazzKamikaze sind die jüngste Band des Nordfra-Festivals, sie gründeten sich erst 2005. Noch im selben Jahr gewannen sie den Young Nordic Jazz Award, einen der renommiertesten Preise für Jazz aus den nordischen Ländern, weitere Auszeichnungen folgten. Von Anfang an verstanden sie sich als Projekt, das zum Erfolg bestimmt ist. JazzKamikaze wird der Stilbegriff Fusion Jazz zugeschrieben und stets gleich angefügt, dass es bei dieser Band aber um eine junge, moderne Form von Fusion geht. Im Februar 2007 ist ihr zweites Album „Travelling at the Speed of Sound“ erschienen, auf dem der Trompeter Matt Shulman und Rapper Big D von den Ultramagnetic MC’s als Gäste mitwirken. Die fünf blutjungen Musiker aus Norwegen, Dänemark und Schweden sind exzellente Instrumentalisten und strotzen nur so vor Energie. Als Einzelspieler wurden sie vielfach ausgezeichnet und arbeiteten zum Teil schon mit Jazzgrößen wie Chris Cheek oder Chris Potter zusammen.

Marius Neset (Tenorsaxofon), Morten Schantz (Piano), Daniel Heløy Davidsen (Gitarre), Kristor Brødsgaard (Kontrabass) und Anton Eger (Schlagzeug)

www.jazzkamikaze.com

 

Samstag, 5. Mai 2007 | 20:30 Uhr

People Are Machines - ein schwedisch-norwegisches Quartett, ansässig in Kopenhagen, das sich in der dortigen Jazzszene durch seine mitreißenden Konzerte längst einen Namen als hervorragende Live-Band gemacht hat. In ihren eigenen Worten spielen sie extrovertierten Powerjazz und versuchen mit ihrer Musik stets, die gegenwärtigen Auffassungen von Jazz zu erkunden und neu zu definieren. Die genre-typische Besetzung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Projekt vielfältige Stile und Elemente integriert. PAMs Musik birgt sowohl die reine, schöne Melodie als auch groovende Up-Tempo-Stücke.

Marius Neset (Tenorsaxofon), Magnus Hjorth (Piano), Petter Eldh (Kontrabass) und Anton Eger (Schlagzeug)

www.pammusic.com

 

Beefólk

Wolfgang Muthspiel nennt sie eine Jazzband mit dem Live-Appeal einer Rockband. Von der Presse immer wieder als brillante Festivalband gefeiert fehlt diesem vielbeschäftigten „folk-jazzigen Kammerorchester aus Graz“ unerklärlicherweise noch der endgültige Durchbruch zum großen internationalen Erfolg. Der skandinavische Kopf im österreichischen Sextett ist der Isländer Helgi Hrafn Jónsson (unter anderem auch Sänger bei den Popavantgardisten Sigur Rós). Beefólk bringen nahtlos Elemente aus der französischen Musette, dem argentinischen Tango, dem irischen Folk und Balkanfanfaren zusammen. Die Kompositionen sind von Anfang bis zum Ende fesselnd und voller Tempo- und Stimmungswechsel, aber ohne je „zu schwierig“ zu klingen. Manchmal ertönt die Gruppe kraftvoll und mit Volldampf, dann wieder ganz besinnlich.

 

Georg Gratzer (Saxofon), Klemens Bittman(Violine), Christian Bakanic (Akkordeon), Helgi Hrafn Jónsson-Gesang (Posaune), Christian Wendt (Bass), Jörg Haberl (Schlagzeug) www.beefolk.com

 

Sonntag, 6. Mai 2007 | 20:30 Uhr

moLd kreieren ihr ganz eigenes Klanguniversum, in dem die Musik mitunter nahtlos von fruchtbarem Chaos in engmaschig gestrickte Kompositionen übergeht. Hier mischen sich abstrakte Improvisation, schräge Themen und wundervolle Balladen mit einem unverkennbaren Hauch von New York und Balkan. Die Soli der preisgekrönten Spieler seien mehr als versiert, schrieben die Jazztimes. Mehr noch als die Einzelpersönlichkeiten steht bei moLd jedoch die kollektive Entwicklung eines unverkennbaren, manchmal chaotisch verzwirbelten Gruppensounds im Vordergrund. In moLds Worten: “Mix ingredients, season half a year or so, until ripe. Cook in an oven with original compositions, improvised greens and good friendship. Serve hot while having fun.”

Anders Banke (Saxofon/Klarinette), Stephan Meinberg (Trompete/Flügelhorn), Mark Solborg (Gitarre) und Peter Bruun (Schlagzeug)

www.mold.nu

 

Anderskov Accident

Mit ihrem Debütalbum als „Jazz-Entdeckung des Jahres“ bei den Dänischen Jazz Awards gefeiert, vereint ihre Musik immer wieder Gegensätze: Zerrissene Strukturen und ungerade Rhythmen treffen auf fließende Melodien und gefühlvolle, dabei expressive Bläserstimmen. Das Oktett aus Dänemark hat trotz seiner großen Besetzung mehr den Charakter eines kleinen, hochdynamischen Ensembles als einer blechbläserschweren Big Band. Komponist und Rhodes-Spieler Jacob Anderskov kreiert mit diesem unkonventionellen Projekt Musik, die spontan und doch strukturiert ist und Herz und Kopf gleichermaßen fordert. Anderskov Accident klängen so, wie die Dave Holland Big Band klingen könnte, wenn sie ein bisschen leichter, unbefangener spielen würde (allaboutjazz.com).

Kasper Tranberg (Trompete), Laura Toxværd (Altsaxofon), Ned Ferm (Tenorsaxofon),

Anders Banke (Klarinette), Peter Dahlgren (Poasaune), Jacob Anderskov (Rhodes), Jeppe

Skovbakke (Bass) und Rune Kielsgaard (Schlagzeug)

www.jacobanderskov.dk


 

Nordfra - Skandinavisk Jazzfestival ist eine Veranstaltung des Kultur- und Kommunikationszentrums naTo e.V.

Projektleitung: Bettina Bock - Interviewanfragen bitte an b.bock@gmx.de

Presseverantwortlich: Tine Zeiler - Akkreditierungen bitte an tine@nato-leipzig.de

Nordfra 2007 steht unter der Schirmherrschaft der schwedischen Botschafterin Ruth Jacoby.

Gefördert wird Nordfra 2007 von Norden - Nordic Culture Fund, dem Kulturamt der Stadt Leipzig und der Schwedischen Botschaft.

 



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