25.06.2014

Literatursommer Island 2014 im Literaturhaus Schleswig-Holstein

»Der Erzähler ist nirgends zu Hause, außer im Universum seiner eigenen Werke, der Welt, dem Land oder dem Kontinent, die er schreibend erfindet.«
Diese Zeilen von dem isländischen Schriftsteller Guðbergur Bergsson können programmatisch für den diesjährigen Literatursommer gelesen werden. In keinem anderen Land konzentriert sich die kulturelle Aktivität so sehr auf das Literarische wie in Island. Bereits seit vielen Jahrhunderten besitzt Island eine große Erzähltradition, die die isländische Kultur entscheidend mit gestaltet. Um sich über die Welt Gedanken zu machen, war schon im Zuge des Mittelalters die mündliche Tradition des Geschichtenerzählens in Form der Island-Sagas ein grundlegendes Instrumentarium. Diese ungehemmte Erzählfreude schlägt sich bis heute auch in der gegenwärtigen Literatur Islands nieder. Einen Ausschnitt davon präsentiert in diesem Jahr der Literatursommer 2014 mit sechs Lesereisen. Neben dem Literaturwissenschaftler Klaus Böldl, der durch einen Vortrag Einblicke in die Erzählwelt des großen Sagaschatzes gibt, beweisen fünf SchriftstellerInnen, wie heimisch sie sich im Universum ihrer eigenen Werke fühlen.
Eiríkur Örn Norðdahl schlüpft bei der Aufarbeitung des Holocaust in die verschiedenen Perspektiven seiner Figuren, dessen private Katastrophe sich allemal mit der zeitgeschichtlichen verknüpft. Bjarni Bjarnason entführt den Zuhörer in eine märchenhafte Erzählwelt, indem er sich eine Messiasfigur ersinnt und deren Heiligkeit in einer aufgeklärten und wunderfernen Zeit erprobt. Ihre ganze Erzählkraft wendet Steinunn Sigurðardóttir in einem Kammerspiel auf, in dem eine Erinnerung der Auslöser für das Lebensdrama eines erfolgreichen Onkologen und seines rätselhaften Doppelgängers wird.
Mit Andri Snær Magnason kommt in das Programm eine politische Komponente hinein, ohne die literarische zu vernachlässigen. Er verbindet sein erzählerisches Talent mit der journalistischen Recherche und liefert mit seinem Werk »Traumland«eine originelle Parabel über den Umgang mit unser aller Werte und Ressourcen. Vom Leben und Alltag des Inselvolkes erzählt Óskar Árni Óskarsson in seinem Buch »Das Glitzern der Heringsschuppe in der Stirnlocke«, welches von Kristof Magnusson in einem Rezitationsprogramm vorgestellt wird.

Hier geht es zum Programm des Literatursommer Island 2014.



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