ISLAND::FILM

Mit der Gründung des Icelandic Film Fund, dem heutigen Icelandic Film Centre in Reykjavik im Jahre 1979, begann zugleich das so genannte „isländische Filmwunder“: eine in ihrer Quantität und Besonderheit überraschende Filmproduktion, die spätestens seit Ende der 1990er Jahre auch internationale Aufmerksamkeit erregt.

Die Ausstellung ISLAND::FILM zeigt in einer chronologischen, multimedialen Visualisierung erstmals die Entwicklung des isländischen Filmschaffens von ihren Anfängen um das Jahr 1904 bis heute: Bis zu je fünf Minuten lange Sequenzen geben auf zahlreichen Bildschirmen einen Eindruck über den Charakter und Inhalt von etwa 40 der für die Geschichte des isländischen Films bedeutendsten Werken. Dazu können mehr als 100 Filme auf ‚Film-Inseln’, die sich in die Bereiche Spielfilm, Literaturverfilmung, Kurzfilm und Dokumentation gliedern, frei wählbar in voller Länge angesehen werden. Darunter finden sich aus den Anfängen u.a. die 1919 vom Dänen Gunnar Sommerfeldt gedrehte Romanverfilmung „Borgslægtens Historie/Die Leute auf Borg“ - nach dem vierteiligen Roman „Saga Borgarættarinnar“ des isländischen Schriftstellers Gunnar Gunnarsson -, der erste ganz und gar isländische Film mit einer fiktiven Handlung „Ævintyri Jóns og Gvendar/ Die Abenteuer von Jon und Gvendur“ (1923) von Loftur Gudmundsson und die für Island zu den wichtigsten Filmdokumenten zählenden Aufnahmen der Feierlichkeiten  zur  Gründung der Republik Island am 17. Juni 1944 von Óskar Gíslason. Óskar Gíslason war es auch, der es als erster isländischer Regisseur mit seinem 1948 gedrehten Dokumentarfilm „Björgunarafrekid vid Látrabjarg/ Die Rettungstat von Látrabjarg“ in die deutschen Kinosäle schaffte. Geplant als nacherzählende Dokumentation des Schiffsbruchs der ‚Dhoon’, einem englischen Trawler mit 15 Mann Besatzung an der Steilküste Islands und der spektakulären Rettungstat, havariert bei den gerade begonnenen Dreharbeiten an exakt derselben Stelle – unterhalb des Cliffs – der englische Fischtrawler „Sargon – CY 853“. Durch diese Verkettung von Umständen gelingt es, alle Einzelheiten der Rettung der Besatzung in unerhört dramatischer Realistik zu filmen, wobei sich - bis auf den zeitlichen Ablauf - die einzelnen Situationen denen gleichen, die sich bei der ein Jahr zurückliegenden Rettung ergaben.  

Diese Dokumentation, der erste isländische Farb- und Tonfilm „Milli fjalls og fjöru/ Zwischen Berg und Strand“ von Loftur Guðmundsson aus dem selben Jahr und der isländische Kinderfilmklassiker „Síðasti bærinn í dalnum/Das letzte Gehöft im Tal“ (Óskar Gíslason , 1950) fehlen in der Ausstellung ebenso wenig wie Arne Mattsons erste Halldór Laxness Verfilmung „Salka Valka“ aus dem Jahre 1954 oder – ebenfalls eine Verfilmung isländischer Literatur – „ 79 af stöðinni/Das Mädchen Gogo“ des Dänen Erik Balling von 1962.

Mit der rein isländischen Filmproduktion „Morðsaga/ Geschichte eines Mordes“ aus dem Jahre 1977 tritt der isländische Regisseur Reynir Oddson für einen Neubeginn und die Gründung einer eigenen Filmindustrie auf Island ein. Ein Unterfangen, das durch Wim Wenders, dem Gast des am 12. Februar 1978 im Rahmen des Kulturfestes Reykjavik stattfindenden 1. Filmfestivals, mit einem Schreiben an die Regierung Islands tatkräftig unterstützt wird und mit der Gründung des Icelandic Film Fund nur ein Jahr später in die Tat umgesetzt wird.

„Land og synir/Land und Söhne“ (1979) von Águst Gudmundsson steht damit für den Beginn des so genannten isländischen Filmfrühlings – es wurden an den Kinokassen mehr  Eintrittskarten verkauft, als Island an Einwohnern zählt – und wird fortgesetzt von Hrafn Gunnlaugssons erstem Spielfilm „Odal fedranna/Vätererbe“ (1980), Fridrik Thor Fridrikssons „Rock in Reykjavik“ aus dem Jahre 1982 und Gudny Halldorsdóttirs „Kristnihald undir Jökli/ Unter dem Gletscher“ von 1989.

Islands Filmindustrie und seine ProtagonistInnen wie Ásdís Thoroddsen, Dagur Kári, Baltasar Kormákur, Róbert I. Douglas, Rúnar Rúnarsson und Ragnar Bragason – um nur einige zu nennen – erlangen mit ihren Filmen binnen weniger Jahre internationale Aufmerksamkeit. Es folgen Einladung zu Festivals in aller Welt, Preise und Oscarnominierungen und es entsteht, gemessen an der Einwohnerzahl Islands, auch und gerade mit internationaler Beteiligung ein an Quantität, Besonderheit, Eigentümlichkeit und Faszinosum unvergleichbares Filmschaffen, das diese Ausstellung auf ebenso besondere Art und Weise zugänglich und erfahrbar machen möchte.

Unter dem Titel Eyesland wird zudem an fünf Tagen im März ein breites Spektrum des aktuellen wie historischen isländischen Filmschaffens im Kinoraum des Felleshus präsentiert.

Kuratoren: Sabine Schirdewahn / Matthias Wagner K

Literaturverfilmungen: Regina Wyrwoll

Beirat: Laufey Gudjonsdottir, Thórarinn Gudnason, Gudrídur Sigurdardóttir, Sigurdur Grimsson, Halldór Gudmundsson, A. Edda Jökulsdottir

Unterstützt / gefördert:
Botschaft von Island, Berlin, Ministry for Foreign Affairs of Iceland, Icelandic Film Centre, Tjódmenningarhúsid - National Centre for Cultural Heritage, Kvikmyndasafn Íslands – The National Film Archive, Icelandair

Veranstaltungsort:
Nordische Botschaften Felleshus/Gemeinschaftshaus
Rauchstraße 1
D-10787 Berlin
www.botschaft-island.de

Öffnungszeiten:
15. Februar – 23. März 2008
Montag - Freitag 10.00 - 19.00 Uhr, Samstag - Sonntag 11.00 - 16.00 Uhr

Film-Retrospektive EYESLAND: 14./17./18./19. und 21. März jeweils von 10.00 – 23.00 Uhr

Kontakt Presse:
Vera Firmbach, Köln
Tel.: +49(0)221.7327970
Mobil: +49.179.2400866
E-Mail: verafirmbach@gmx.net



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