Halldór Laxness - Eine Biographie

Am 4. Oktober lädt die isländische Botschaft in Zusammenarbeit mit dem btb Verlag zu einer Lesung mit dem Autoren Halldór Gudmundsson im Felleshus der Nordischen Botschaften ein. Dort stellt der Autor sein gerade in Deutschland erschienes Buch über den isländischen Nobelpreisträger Halldór Laxness vor. Thomas Böhm, Programmleiter des Literaturhauses Köln e.V. wird die Lesung moderieren.

Veranstaltungsort:

Felleshus der Nordischen Botschaften

Rauchstr. 1

10787 Berlin

Uhrzeit: 20.00

Der Eintritt ist frei

Im Zusammenhang mit der Eröffnung einer Fotografie-Ausstellung aus dem Nachlass des Nobelpreisträgers am 9. Oktober, wird das Buch auch in Köln vorgestellt.

Veranstaltungsort:

Kunstraum "Altes Pfandhaus”

Karthäuserwall 20

50678 Köln

Tel.: +49-221-2783685

www.altes-pfandhaus.de

Uhrzeit: 20.00

Halldór Laxness – Sohn eines Straßenarbeiters, aufgewachsen auf dem väterlichen Bauernhof – war der bekannteste isländische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, 1955 bekam er den Nobelpreis für Literatur verliehen. Sein Leben umspannte fast das ganze Jahrhundert, er lebte von 1902 bis 1998. Alles in allem schrieb er sechzig Bücher: Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Essays, Erinnerungen, Reisejournale und Gedichte. Am bekanntesten sind seine Romane (u.a. die Trilogie „Islandglocke), die zwischen den Jahren 1930 bis 1960 entstanden, aber seine schriftstellerische Karriere war extrem facettenreich, und auch stilistisch und weltanschaulich experimentierte er durchaus. „Ich bin Taoist gewesen“, bekannte er einmal, „später wurde ich auch Expressionist, Surrealist, Freudianer usw., schließlich marxistischer Mitläufer, obwohl ich Marx nie gelesen habe, weil ich eine Überempfindlichkeit gegen deutsche Philosophie hatte.“ Die vorliegende Biografie ist nicht nur ein informatives, exzellent recherchiertes Standardwerk zu Laxness’ Leben und Werk, sie erzählt auch die spannende und unterhaltsame Geschichte eines europäischen Autors in einem Jahrhundert der Extreme. Laxness’ Treiben, von Hollywood bis Moskau, vom katholischen Kloster bis zum kommunistischen China, steht exemplarisch für die Vielfalt literarischer Strömungen im 20. Jahrhundert, seine Verbindungen zu Deutschland und deutschen Autoren sind mannigfaltig und legendär.

 

Halldór Laxness und Deutschland - einige Stichworte

* Laxness kam schon früh nach Deutschland, 1921 hat er unter anderem Leipzig, Berlin und Hamburg besucht, und 1931 war er beispielsweise mehrere Monate in Leipzig und schrieb dort Teile von “Salka Valka”.

* In den 30er Jahren war er, trotz des Nazi-Regimes, ebenfalls häufiger in Deutschland, 1936 etwa hat er die Olympischen Spiele in Berlin besucht. In einem Kapitel des Buches wird davon erzählt, wie die Übersetzung seiner Werke von den Nazis verboten wurde, wie er versucht hat, das Verbot abzuwenden (unter anderem mit einem Besuch in Berlin), und von seiner Korrespondenz mit der Reichsschrifttumskammer und dergleichen berichtet.

* Sein langjähriger deutscher Übersetzer, der im schwedischen Exil lebende Ernst Harthern, war eine schillernde Figur. Anfang der 30er Jahre schrieb er sogar einen Bestseller (“Man into woman”) über den ersten Mann, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzog.

* Er war mit vielen deutschen Autoren befreundet und z.B. kurz vor dessen Tod zu Besuch bei Brecht in Berlin. Es war das Treffen zweier desillusionierter kommunistischer Schriftsteller.

* In der DDR forderte der Dietz Verlag ursprünglich von ihm, “Salka Valka” umzuschreiben, da es nicht besonders orthodox war. Eine Korrespondenz der komischen Art.

* Sein DDR-Verleger danach war Walter Janka, der kurz nach seiner Verhaftung 1956 zu seiner Verbindung mit Laxness verhört wurde, was aus Stasi-Akten hervorgeht. Janka und Laxness waren gut befreundet, Laxness hatte Janka ein Jahr vorher zur Nobelpreisverleihung nach Stockholm eingeladen. Nach der Verhaftung Jankas wurde Klaus Gysi (der Vater von Gregor) Laxness’ Betreuer beim Aufbau Verlag. Er gefiel ihm nicht, und Anfang der 60er Jahre befand Laxness, die DDR sei “das schlimmste Scheissland”, das er je besucht habe.

* Mit den Verfilmungen von zwei Romanen für den NDR gelang es dem Regisseur Rolf Hädrich in den 80er Jahren, das Werk des isländischen Literaturnobelpreisträgers auch in der Bundesrepublik populär zu machen.

* In die deutsche Ausgabe wurden neue Informationen aufgenommen, die seit dem Erscheinen der isländischen Ausgabe ans Licht kamen, z. B. dass J. Edgar Hoover vom FBI seine Hand im Spiel hatte, als die isländischen und amerikanischen Behörden Anfang des Kalten Krieges versuchten, Laxness aufgrund angeblicher Steuerhinterziehungsdelikte den Prozess zu machen. Wahrscheinlich hat Knopf sich trotz grosser Verkaufserfolge deswegen nicht getraut, weitere Laxness-Romane in den USA zu veröffentlichen. Erst in den letzten zehn Jahren sind viele seiner grossen Werke bei Random House US erschienen.

 

Der Autor der Biografie, Halldór Gudmundsson, gilt aus ausgewiesener Laxness-Experte. Neben Recherchereisen nach Russland, die USA, Deutschland und die skandinavischen Länder führte er zahlreiche Interviews mit Bekannten und Zeitgenossen von Laxness. Darüber hinaus konnte er auf bislang unzugängliches Quellen- bzw. Briefmaterial zurückgreifen, die
Laxness’ Korrespondenz mit seinen beiden Ehefrauen beinhaltet. Gudmundsson wurde 1956 in Reykjavik geboren. Er studierte Literaturwissenschaften in Island und Kopenhagen und war lange Jahre Verlagsleiter von Islands größtem literarischem Verlag Mál og Menning. Seine Biographie über Halldór Laxness wurde ausgezeichnet mit dem Isländischen Literaturpreis und von den isländischen Buchhändlern zur Biografie des Jahres gewählt. Sie erscheint in sechs Sprachen, für die deutsche Ausgabe wurde sie um zahlreiche Details und neue Informationen ergänzt.



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