Grundierungen ? Von Inseln und Insulanern. Sjón, Louis-Philippe Dalembert und Volkmar Billig im Gespräch

„Inseln sind keine geschlossenen Container, sondern beziehen sich immer auf ein anderes: Inseln desselben Archipels oder das Festland. Das macht das Insulare zu einem Paradigma der Offenheit, der Pluralität und des rationalen Denkens.“ (Steffen Richter) Island und Haiti, sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Die eine Insel knapp südlich des Polarkreises am äußersten Rand Europas gelegen, von Vulkanen durchzogen, das Klima ozeanisch kühl, wo, wie die Sage geht, praktisch jeder ein Künstler ist – und der an Kunst, Musik und Literatur reiche Karibikstaat, der sich 1804 im Sklavenaufstand von den Kolonialherren befreite, zur ersten unabhängigen Republik von Schwarzen und Mulatten wurde und durch dessen weitere Geschichte sich ein Teufelskreis des Unglücks und der Gewalt zu ziehen scheint. Haiti im kollektiven Bewusstsein auf die Welt jenseits der See, die afrikanische Heimat bezogen, aus der der überwiegende Teil der Bewohner einst als Sklaven verschleppt wurde. Island auf sich selbst konzentriert, ohne Sehnsucht nach Norwegen, woher die Einwohner, wie der Mythos besagt, einst als Auswanderer kamen. Und doch eint sie eins: Die Faszination, die sie beide - wie alle Inseln - auf Festlandbewohner ausüben.                

Sjón, (* 1962 in einem Vorort von Reykjavík) Lyriker, Prosaautor, Librettist und Songtextschreiber (u.a. für Lars von Triers Film „Dancer in the Dark“), und Louis-Philippe Dalembert (* 1962 in Port-au-Prince), Lyriker, Prosaautor, Weltenbummler und literarischer Freibeuter, im Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Volkmar Billig, der mit „Inseln. Geschichte einer Faszination“ im Frühjahr 2010 die erste umfassende Monographie über die Verführungskraft der Inseln vorgelegt hat.

Moderation: Barbara Wahlster (Deutschlandradio Kultur)

28.10. 2010, 20.00 Uhr, daadgalerie

Zimmerstraße 90/91, 10117 Berlin

Eintritt frei



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