Feuer und Eis - Island beim Abenteuer Wissen im ZDF

Wenn Wasser und Lava aufeinander treffen, werden ungeheure Kräfte freigesetzt. So geschehen beim Ausbruch des Vulkans Grimsvötn auf Island im Jahr 2004. Seine Eruption lieferte so viel Energie, wie deutsche Kohlekraftwerke jährlich produzieren. Diese Wärmemengen können, so vermuten Forscher, sogar das Klima beeinflussen. Umgekehrt hat der Klimawandel Auswirkungen auf die Aktivität der Vulkane, die unter Gletschern schlummern: Denn mit der Gletscherschmelze vermindert sich der Druck auf die Vulkane, die dadurch leichter explodieren können.

Die enormen Energiemengen locken nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ausländische Aluminiumproduzenten auf die Insel. Während viele Isländer darin den Schlüssel für die Zukunft sehen, bangen andere um die Unberührtheit der Natur.

Explosion in der Tiefe

Die meisten Vulkanausbrüche finden auf dem Meeresgrund statt. Bisher glaubten Vulkanologen, dass der hohe Wasserdruck heftige Ausbrüche verhindern und die Lava nur sehr langsam austreten würde. Unlängst aber wurden auf einer Tauchfahrt Spuren einer starken, unterozeanischen Vulkaneruption entdeckt: Rund um einen Vulkankegel bedecken Asche und glasartige Brocken den Meeresgrund - auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern. Entlang des mittelatlantischen Rückens gibt es viele solcher Unterwasser-Vulkane.

Der Würzburger Wissenschaftler Bernd Zimanowski geht nach Island, um zu untersuchen, ob ihre Eruptionsenergie genügen würde, den Golfstrom zu beeinflussen und unser Klima zu verändern. Island hat für ihn Modellcharakter. Denn hier liegen die Vulkane zwar nicht unter Wasser, aber unter einer bis zu 900 Meter dicken Eisdecke. Damit herrschen auf Island die gleichen Bedingungen wie bei submarinen Vulkanen.

Im - noch immer dampfenden - Krater des 2004 ausgebrochenen Vulkans Grimsvötn sammelt Bernd Zimanowski Gesteinproben. In seinem Würzburger Labor wird er die unterozeanischen Ausbrüche nachstellen und mit einer High-Speed-Kamera beobachten.

Schmelzendes Eis weckt Vulkane

Seit es auf der Erde wärmer wird, schmelzen ihre Gletscher. Das trifft auch für den massereichsten Gletscher Europas, den Vatnajökull auf Island zu. Noch ist er bis zu tausend Meter dick. Neueste Berechnungen zeigen aber, dass er jährlich bis zu 5 Kubikkilometer Eis verliert. Dadurch werden die Magmakammern, die direkt unter dem Vatnajökull liegen, entlastet.

Der Wissenschaftler Magnus Gudmundsson vermutet, dass die Lava nun leichter nach oben dringen kann und es vermehrt zu Vulkanausbrüchen kommt. Hinweise, dass seine Theorie stimmt, entdeckte er am Grimsvötn, dem aktivsten Vulkan unter dem Gletscher Vatnajökull. Kurz vor seiner Eruption im Jahr 2004 entstand zwischen Vulkan und Eispanzer ein Schmelzwassersee. Nachdem sich dessen Wasser einen Weg aus dem Gletscher gebahnt und den Druck auf den Grimsvötn entlastet hatte, kam es zur gewaltigen Entladung des Vulkans. Eine Expedition führt Gudmundsson zum Vulkan Gjalp, der erstmals 1996 das Eis des Vatnajökull durchbrach und der, wenn die Theorie stimmt, in Zukunft häufiger ausbrechen könnte.

Fluch und Segen des Energiereichtums

Als Autor von Romanen, Theaterstücken und Kinderbüchern ist Andri Snaer Magnason schon lange bekannt. Zu einer Berühmtheit aber wurde Magnason als er "Draumalandid" ("Traumland") verfasste. Das Buch handelt vom Ausverkauf der Energiereserven auf Island und von der damit einhergehenden Naturzerstörung.

Magnason klagt aber nicht nur an. Er entwirft Ideen und Konzepte, wie das Land einen ökonomischen Aufschwung erleben kann, ohne sich selbst auszubeuten. Magnason bringt die Nation in Bewegung. Inzwischen ist mehr als die Hälfte der Isländer gegen die Aluminiumproduktion, deretwegen energiehungrige Industrienationen vor Islands Toren Schlange stehen.

Er hat die Band Sigur Rós hinter sich und mit Björk produziert er gerade einen Film, der mit eindrücklichen Bildern die Schönheit ihrer isländischen Heimat und den Griff nach dem Energieressourcen des Landes beschreibt. "Abenteuer Wissen" begleitet Andri Snaer Maganson zu den Orten, an denen Fluch und Segen des Energiereichtums zu erleben sind.

ZDF, Abenteuer Wissen, 21.01.2009, 22:20 - 22:50



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