Die Musik-Messe Popkomm findet in Berlin vom 8. bis zum 10. Oktober statt.

Das Ende der Klischees

Island anders mit Flokati-Sound und Bastard-Blues

Icelandic Music Export, Toutpartout, Cargo Records und Morr Music präsentieren die Bands Mugison, Seabear & Borko auf der Popkomm 2008

Berlin/Reykjavik, September 2008 - Wer immer noch von Elfen redet, hat den Beat nicht gehört: Fernab von langweiligen Troll Geschichten, Weiden voller Islandponys und anderen Klischees kümmern sich die Isländer weiterhin und
scheinbar unbeeindruckt um das, was wirklich essentiell ist: Gute Musik.
Anlässlich der Popkomm werden, präsentiert vom Iceland Music Export Büro,
Toutpartout und Morr Music, Mugison, Seabear und Borko am 9. Oktober in Berlin zu sehen sein.

Immer wieder aufs Neue wird die musikalische Wundertüte aus Island aufgemacht, der Inhalt landet dann auf den Plattentellern der Clubs, in unseren MP3 Playern, Radios und Herzen. Waren Björk und die Sugarcubes, Sigur Rós, GusGus und Mum die Vorboten für das variationsreiche musikalische Potenzial der Isländer. So munter entwickelt sich der isländische Musikmarkt weiter und freut sich ob der tatkräftigen Unterstützung durch die Initiative Icelandic Music Export. Mit Künstlern wie Mugison, Seabear und Borko geht die musikalische Entdeckungsreise in eine weitere Runde. Eine neue Generation Bands, die nicht mehr in Traditionen verhaftet, moderne und globale Wege geht, aber den einzigartigen Spirit der „Independent People“ immer anklingen lässt. Während der 3sat Popkomm-Nacht in der Kulturbrauerei (Palais) am 9. Oktober kann man Mugison, den Blues-Brother des hohen Nordens, nun endlich wieder live in Berlin erleben. Seabear und Borko werden am 9. Oktober gemeinsam beim Mikrokultur Festival im Berliner Admiralspalast (AP 101) auftreten.

"Jesus is a good name to moan" – beschloss Örn Elías Guðmundsson alias Mugison nachdem er einst mit seiner Frau über Skype geflirtet hatte... Der Isländer schrieb ein
Lied über diese interessante Feststellung – “a sexual song” wie er selber sagt – und
unterlegte diesen mit einer typischen Blues Melodie. Damit war der Grundstein für
sein Album “Mugiboogie” (Cargo Records) gelegt und der Bastard-Blues fand den
Weg vom Mississippi in den hohen Norden. In Songs wie “The Pathetic Anthem” oder
“Two thumb sucking son of a Boyo” leidet Mugison manchmal sanft, manchmal brüllt
er einfach alles aus dem tiefsten Inneren heraus. Seine Heimat hat der Isländer mit
Reibeisenstimme längst überzeugt, Mugisons Album erreichte 2007 in Island
Platinstatus. Im Mai diesen Jahres war Mugison über die Booking Agentur Toutpartout
in Europa und mit Queens of the Stone Age in Kanada unterwegs.


Ein Flokati Teppich hat nicht nur die Hauptrolle im Seabear-Clip zum Song „Hands Remember“, sondern liefert gleichzeitig auch ein passendes Bild für den Musikstil der
Band. Lässige Gitarren-, Geigen- und Pianoklänge, die zum Rumhängen und einfach
mal Wegdenken einladen. Die Band um den 24-jährigen Sänger Sindri Már Sigfússon
präsentiert auf ihrem Debütalbum „The ghost that carried us away“ ohne großen Tam Tam Songs, die Themen wie „nature, mortality and love” in den Mittelpunkt stellen. Für
die Aufnahme des Albums, dass auf Morr Music erschienen ist, nutzten die Musiker
bewusst nur ein einziges Mikrofon, das Ergebnis erinnert an die reduzierten
Stereoaufnahmen der 60er Jahre. Björn Kristiansson alias Borko wurde irgendwann
mal in den Magen geschlagen. Dieses unschöne Ereignis nahm er glücklicherweise
zum Anlass den Song „Spoonstabber“ zu komponieren. Was der Film- und Theatermusiker sonst noch so auf sich nehmen musste, um sein Album „Celebrating
Life“ fertig zu stellen, muss man ihn selbst fragen. Bekannt ist aber, dass sich auf seinem Debüt acht Titel befinden, in denen elektronische Sounds mit den Klängen von klassischen Instrumenten vereint werden. Manchmal singt Borko, meistens schweigt er, immer aber endet alles in wunderschön arrangierter Musik. (www.morrmusic.com)

Auf der diesjährigen Popkomm gibt es mit drei Bands einen kleinen und feinen Einblick in die isländische Musikszene. Reisefreudigen Trendsettern sei deshalb das Festival „Iceland Airwaves“, das gleich im Anschluss der Popkomm vom 14. – 19. Oktober in Islands Haupstadt Reykjavik stattfinden wird, empfohlen. Dutzende junge isländische Bands, wie Sign, Bloodgroup oder Ultra Mega Teknobandid treffen
internationale Größen, wie CSS oder Simian Mobile Disco.(www.icelandairwaves.com)

Über Icelandic Music Export Icelandic Music Export (IMX) ist eine Initiative, die sich der internationalen Vermarktung der isländischen Musikszene angenommen hat. IMX ist Ansprechpartner für alle Interessierten der isländischen Musikwelt und promotet
isländische Künstler auf internationalen Fachmessen wie der Popkomm. „Deutschland
entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Markt für Künstler aus Island. Es herrscht ein großes Interesse an der Kulturszene unseres Landes, das durch eine große Medienbeachtung unterstrichen wird. Mehr und mehr deutsche Unternehmen investieren in isländische Musik. Dies macht für uns eine überzeugende Präsentation auf der Popkomm umso spannender“, so die Leiterin von IMX, Anna Hildur.

Für Rückfragen, Interviews und Rezensionsexemplare stehen wir sehr gerne zur
Verfügung. Weitere Informationen zur isländischen Musikszene finden sich unter
www.icelandicmusic.is

9.10, 20:00 Uhr, Admiralspalast

Mikrokultur Festival

In den vergangenen Jahren hat die Berliner Booking-Agentur Mikrokultur mit Acts wie Arcade Fire, Death Cap For Cutie und Fotos ein Gespür für kommende Größen bewiesen. Auch dieses Jahr holt sie frischen Nachwuchs nach Berlin. Zur Popkomm beschenkt uns die Agentur mit melodischem Pop von It´s A Musical und den sexy Briten Bodies Of Work. Die Berliner von Ter Haar und Klez.E steigern danach noch etwas das Tempo und rocken über die Bühne, um danach Platz zu machen für die Gäste aus Island, die als Seabear feat. Borko mit 1000 Instrumenten und Stimmen zum Tanzen und Wegdenken animieren.

Seabear
Still und heimlich schleichen sich die Songs des 24-jährigen Isländers Sindri Már Sigfússon in die Ohren und Herzen der Zuhörer. Fragile Hymnen von nonchalanter Burschikosität, vorgetragen mit Gitarre, Klavier und Sigfússons fast schon verschämt klingender Stimme. Zusammen mit Guðbjörg Hlín Guðmundsdóttir (Geige, Gesang) und Örn (Gitarre, Lapsteel) gründete Sindri Már Sigfússon Seabear in Reykjavik, in Folge gesellten sich Musiker von Sigur Rós und Benni Hemm Hemm dazu. Das Ergebnis ist ein leicht eingängiger Mix aus Easy-Listening-Folk, Belle & Sebastian und Sufjan Stevens, in dem Attribute des Wohlklangs wie Glockenspiel, Banjo und Harmonika ebenso wenig fehlen dürfen, wie die Rückbesinnung auf die Kindheit und naive Alltagsbeobachtungen.

Borko
Björn Kristjánsson ist zumeist als Film- und Theatermusiker sowie als Musiklehrer an einer isländischen Grundschule tätig. Als Borko vermischt er gerne holprige Beats mit Störgeräuschen, kombiniert blecherne Bläser mitklingelndem Glockenspiel oder Piano mit Trompetenfanfaren und liebt es, zwischendurch hymnische Gesänge darauf zu schichten. Das erinnert an Múm oder Sigur Rós, ist aber keine Kopie derselben, sondern vielmehr als eine Art typischen isländischen Lokalkolorits zu verstehen. Borkos Debütalbum „Celebrating Life“ ist einerseits sperrig, andererseits aber auch zauberhaft eingängig – auf angenehme Weise versponnen, immer für Überraschungen gut und besticht durch wundervolle vollmundige Melodien. Das können in der Art und Weise nur die Jungs und Mädels von der Insel der Feen und Trolle.

9.10, 20:00 Uhr, Kulturbrauerei/Palais

New Roots

Verschroben waren die Isländer in Sachen Popmusik schon immer, da stellt The Legend of Mugison mit seinem aktuellen Album "Mugiboogie" keine Ausnahme dar. Anders dagegen die Musiker der Henrik Freischlader Band, die sich wie auch Dr. Will & The Wizards zutiefst dem Blues verschrieben haben. Von deren Bühnenerfahrung kann der kanadische Singer/Songwriter Jimmy Bowskill nur träumen, mit gerade mal 17 Jahren gehört er dennoch zuden prominentesten Musikern seines Landes.

Mehr Info:

www.myspace.com/borkoborko

www.myspace.com/seabear

www.admiralspalast.de

www.kulturbrauerei-berlin.de

www.mugison.com

www.pokomm.de

Anlässlich der Popkomm ist bei der Musikwoche ein Artikel über isländische Musik erschienen:

Island plant für 2009 eine Deutschlandoffensive Mehr Musikexport trotz Währungsverfall Berlin – Kurz vor der Popkomm lud das isländische Musikexportbüro in die Botschaft nach Berlin ein. Das Büro will den Fokus seiner Arbeit künfig von Großbritannien nach Deutschland verlagern. Auf internationaler Ebene soll eine neue Musikkonferenz der Insel im Norden zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. „Wir haben erkannt, dass Deutschland der richtige Markt für uns ist“, erklärte Anna Hildur, Geschäftsführerin des Büros Icelandic Music Export (IMX). Jahrelang habe isländische Musik in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem aus Björk, Mezzoforte und zuletzt Sigur Ros bestanden, das solle nun anders werden. Mit einem jährlichen Budget von 130.000 Euro will das IMX vor allem strategische Hilfe bieten. Dazu gehört eine großangelegte Kampagne, in deren Zentrum 2009 Deutschland steht. Schwer zu schaffen macht den Isländern dabei der Verfall der eigenen Währung, der die zur Verfügung stehenden Finanzmittel um ein Drittel zurückgehen ließ. „Aber Geld ist nicht das Wichtigste, entscheidend ist es, Strukturen zu verbessern“, meint die Geschäftsführerin des im Februar 2007 gegründeten Exportbüros. So will sie ab Januar nächsten Jahres einmal monatlich zur Icelandic Music Night in einen Berliner Club, wahrscheinlich in den Admiralspalast, einladen. Und schon mal im Rahmen der Popkomm treten drei isländische Bands auf; eine deutschsprachige Webseite ist in Planung. „Wir glauben, dass es jetzt eine einmalige Gelegenheit ist, Legen den Fokus auf Deutschland: Anna Hildur und Olafur Davidsson Island zu präsentieren“, sagt Anna Hildur mit Blick auf 2011, wenn Island das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse sein wird. Die Resonanz für isländische Musik sei sehr positiv. So sei eine Zusammenarbeit mit dem Label Morr Music und dem Freibank Musikverlag bereits vereinbart. „Überhaupt ist in Deutschland ein großes Interesse für Island und seine Kultur vorhanden“, weiß auch Olafur Davidsson, der isländische Botschafter in Deutschland. „Die Sugarcubes haben vor 25 Jahren den Stein ins Rollen gebracht“, daran erinnert Anna Hildur. Mittlerweile habe sich auf der Insel eine stabile Szene mit rund 30 professionellen Bands entwickelt. Um im Ausland besser präsent zu sein, können die Künstler bis zu drei Freiflüge bekommen. Große Bedeutung für die Verbreitung isländischer Musik hat das renommierte Showcase-Festival Iceland Airwaves, das in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet. In Reykjavik spielen dann vom 15. bis 18. Oktober rund 150 Bands – neben internationalen Acts auch viele isländische Formationen. Im Vorfeld von Iceland Airwaves soll die erstmals veranstaltete Musikkonferenz „You Are In Control“ eine bessere Anbindung der Isländer an internationale Entwicklungen ermöglichen. Einen Auftritt als Popkomm-Partnerland hält Anna Hildur allerdings für utopisch: „Toursupport ist für uns als kleines Land eine effizientere Methode, isländische Musik populärer zu machen.“ Jörn Geipel

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