Aufführung von Phaedra mit Bühnenbild von Ólafur Elíasson

Ab Freitag, dem 16. Januar, ist Hans Werner Henzes jüngster Oper »Phaedra«, die 2007 zur URAUFFÜHRUNG DES JAHRES gekürt wurde, in der Regie von Peter Mussbach und in einem spektakulären Bühnenbild des Künstlers Olafur Eliasson zum letzten Mal in der Staatsoper zu sehen. Der isländische Künstler konzipierte eine verspiegelte Bühne, platzierte das Orchester auf einem Podest in den hinteren Reihen des Zuschauerraums und verband beides mit einem Laufsteg durch die Reihen des Parketts.

Nachdem »Phaedra« auch in Brüssel, Wien und Frankfurt euphorisch aufgenommen wurde, kehrt sie nun wieder nach Berlin zurück. Wie bereits bei der Premiere wird das Ensemble Modern unter der musikalischen Leitung von Michael Boder und die Premierenbesetzung mit Natascha Petrinsky, Marlis Petersen, John Mark Ainsley, Axel Köhler und Lauri Vasar zu hören sein.

Hans Werner Henze zählt seit Jahrzehnten international zu den wichtigsten Komponisten für die Opernbühne und das Musiktheater. Sein Werk vereinigt dabei unterschiedliche Ansätze des Umgangs mit musikalischer und theatralischer Sprache. Von den räumlich experimentellen »Actions for Music« WE COME TO THE RIVER über die Literaturoper DER PRINZ VON HOMBURG nach Heinrich von Kleists gleichnamigen Drama hat Henze keine Ausdrucks- und Präsentationsform der Bühnenkomposition ausgelassen, um sie zu erproben und fortzuentwickeln. Für die Staatsoper Unter den Linden schrieb Hans Werner Henze nun die »Konzertoper« PHAEDRA. Das Libretto des Lyrikers Christian Lehnert greift über den griechischen Mythos der Königin Phaedra, die in Liebe zu ihrem Stiefsohn Hippolyt verfällt und damit eine ausweglose Katastrophe auslöst, weit hinaus. Der erste Teil der zweiteiligen Oper skizziert zwar den dramatischen Handlungsverlauf, wie er von Euripides über Racine bis zu Sarah Kane behandelt wurde; der zweite Teil greift dann aber auf einen mythologischen Strang zurück, der sich vor allem in Ovids METAMORPHOSEN findet: Der zu Tode verwundete Hippolyt wird von der Göttin Artemis auf der Insel Nemi buchstäblich wieder zusammengesetzt, um unter dem Namen Virbius ein neues Dasein zu erleben, in dem er aber sein eigenes Bewusstsein nur noch kaleidoskopartig wahrnehmen kann. Bedrängt von der von den Toten zurückgekehrten Phaedra und den Göttinnen Artemis und Aphrodite stellen sich für ihn die Wechselbeziehungen zwischen Menschen und Göttern neu dar.

Hans Werner Henze hat für diese Geschichte eine Musik von großer Klarheit und Luzidität gefunden. Die Partitur erfordert ein verhältnismäßig kleines Instrumentarium; sie besticht durch die Punktgenauigkeit, mit der sie die einzelnen szenischen Vorgänge beleuchtet. Ohne auf die Virtuosität seiner vorangegangenen Partituren zu verzichten, hat Henze für Phaedra eine ganz spezifische kammermusikalische Musiksprache entwickelt, bei der sich lyrisch-pastorale, hart artikulierte und groteske musikalische Momente gegenseitig überlagern und ablösen.

Der Begriff einer »Konzertoper« initiierte ein neues Nachdenken über den Theaterraum und die Notwendigkeit anderer ästhetischer Möglichkeiten seiner Behandlung. Mit Olafur Eliasson konnte einer der bedeutendsten bildenden Künstler dafür gewonnen werden, sich in seiner ersten Arbeit für die Opernbühne mit der komplexen Thematik und Form dieses Werkes auseinander zu setzen. Eliasson zielt in seinen Arbeiten mit wissenschaftlicher Akribie auf die Auslotung der Wahrnehmung des Zuschauers – mit ähnlich verstörenden Versuchsanordnungen wie sie auch den Protagonisten in PHAEDRA widerfahren. Mit Peter Mussbach als Regisseur und Bernd Skodzig als Kostümbildner entwickelt Eliasson eine neue Art von Theaterabend, der die Gegebenheiten unserer Sichtweise auf die Welt reflektiert und wesentlich in Frage stellt.

Veranstaltungsort: Staatsoper, Unter den Linden 7, 10117 Berlin, 16., 17., 19. 20 Januar

http://www.staatsoper-berlin.de



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