Andri Snær Magnason erhält KAIROS Preis

Kreatives Krisenmanagement          

Mit seismographischem Gespür warnte Andri Magnason bereits 2006 vor der Krise, die sein Heimatland Island wenig später erschüttern sollte. Sein vorausschauendes Buch „Dreamland“ wurde ein Bestseller. Heute kämpft er mit den Mitteln der Kunst gegen die Zerstörung der Natur Islands und wird nun mit dem KAIROS-Preis geehrt.

Mit Gedichten fing alles an, dann kamen Romane, Theaterstücke, Musik- und Filmprojekte hinzu: Der vielseitige Isländer Andri Magnason sucht in seinen künstlerischen Produktionen stets den Bezug zum realen Leben und widmet sich den Dingen, die er bedroht sieht. So ließ er die isländische Hauptstadt für einen Moment verdunkeln, damit die Bewohner der dauerbeleuchteten Metropole die Pracht des Sternenhimmels genießen konnten, und er dokumentierte mit der Kamera die einzigartigen, faszinierenden Naturgebiete seiner Heimat, bevor sie riesigen Staudämmen weichen mussten und damit unwiederbringlich verloren gingen. Trotz aller Probleme bleibt Magnason jedoch optimistisch. Mit viel Humor, Energie und Überzeugungskraft verleiht er einer unideologischen aber kraftvollen Protestbewegung in Island seine Stimme und seine Kreativität.

Am 28. Februar 2010 wird er mit dem europäischen Kulturpreis KAIROS der Alfred Toepfer Stiftung F.VS. ausgezeichnet. „Andri Magnason hat das kontemplative Verhältnis, in dem Dichter seit Jahrhunderten zur Natur stehen, umgedreht und aus dem Besingen und Verinnerlichen der Natur eine aktive, kämpferische Haltung gewonnen. Poesie und planetarisches Engagement, ästhetisches Empfinden und ziviler Widerstand schließen sich bei ihm nicht aus, sondern bedingen einander“ heißt es in der Begründung des KAIROS-Preiskuratoriums.

Der KAIROS-Preis wird seit 2007 an europäische Kulturschaffende aus den Bereichen bildende und darstellende Kunst, Musik, Architektur, Film, Fotografie, Literatur und Publizistik verliehen. Benannt nach dem Gott des „rechten Augenblicks“ der griechischen Mythologie, ist der Preis Anerkennung und Ermutigung zugleich: Er versteht sich nicht als Auszeichnung eines abgeschlossenen Lebenswerkes, sondern als Impuls zu weiterem Wirken. Den Preisträger wählt ein unabhängiges Kuratorium, bestehend aus: Christoph Stölzl (Vorsitzender), Historiker und Senator a. D. /Armin Conrad, Chefredakteur von „3sat kulturzeit“ / Christine Eichel, Leiterin des Ressorts „Salon“ beim Monatsmagazin „Cicero“/ Rainer M. Schaper, Kulturchef und Mitglied der Geschäftsführung des Schweizer Fernsehens / Nike Wagner, Künstlerische Leiterin des Kunstfestes Weimar „pèlerinages“.



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