Islands Geschichte im Einzelnen

Die Besiedlung

Island blickt `nur´ auf eine gut tausendjährige Geschichte zurück, denn bis zum Jahre 874 war das Land nicht besiedelt. Kein anderes Land von ähnlicher Größe (100 000 km²) und mit einer Eignung für menschliches Leben ist bis in die geschichtliche Frühzeit menschenleer geblieben. 
Die Besiedlung des Landes erfolgte durch Wikinger aus Norwegen. Es gibt Anhaltspunkte, dass sich vor der Besiedlung durch die Wikinger schon irische Mönche auf der Insel befunden haben. Diese haben sich jedoch nach der Ankunft der Wikinger zurückgezogen und somit keinen größeren Einfluss auf die weitere Geschichte des Landes gehabt.
Was war es, das die norwegischen Wikinger vom Kontinent in See stechen und nach neuem Siedlungsraum Ausschau halten ließ? Man vermutet, dass in Norwegen unter der Herrschaft von König Harald Schönhaar die Lebensbedingungen härter wurden und hohe Abgaben zu leisten waren. Letztlich war es die Schiffs- und Segeltechnik der Wikinger, die es ihnen ermöglichte, weite Strecken über das Meer zurückzulegen. So fanden norwegische Wikinger über Irland, Schottland und die Hebriden den Weg nach Island. 
Der erste dauerhafte Siedler war Ingólfur Arnarson, der sich 874 im Südosten des Landes und später in Reykjavík niederließ, wo jetzt die Hauptstadt des Landes ist.
 
Vor ihm haben bereits andere Wikinger das Land betreten, ohne jedoch dauerhaft zu bleiben. Von einem von ihnen erhielt das Land seinen Namen. Der norwegische Wikinger Flóki Vilgerðarson zog mit seiner gesamten Familie los, um das Land zu besiedeln. In einem Fjord im Nordwesten der Insel ließ er sich nieder. Da er seinen Hof nicht ausreichend bewirtschaftete, verhungerten im folgenden Winter viele seiner unter schwierigen Bedingungen mitgebrachten Tiere. Im Frühjahr erklomm der Wikinger einen Berg in der Nähe seines Hofes. Von dort sah er einen mit Eis überzogenen Fjord, woraufhin er dem Land, dem einstigen „Thule“ der Griechen und Römer, seinen heutigen Namen gab: Ísland, d.h. Eisland.
Flóki verließ die Insel daraufhin wieder, kehrte aber einige Zeit später zurück, als er von dem Erfolg anderer Siedler hörte.
 
Island war also Teil einer, wenn man so will, internationalen Wikinger-Kultur, deren Netz sich von Skandinavien und Norddeutschland bis weit in den Osten und über Island bis nach Kanada im Westen erstreckte. Es war ursprünglich eine reine Einwandererkultur, aus der sich in relativ kurzer Zeit ein Volk mit eigenen Merkmalen und eigener Kultur herausbildete. 

Das „Goldene Zeitalter“ und das Ende der isländischen Unabhängigkeit

Wichtiger Meilenstein auf diesem Weg war im Jahre 930 die Gründung des Althings, des isländischen Parlaments. Es existiert im heutigen Parlament des Landes fort, das damit das älteste existierende Parlament der Welt ist.
Island war in seinen ersten Jahren ein Land ohne König und wurde von Gebietshäuptlingen, den Goden, gesteuert. Diese trafen sich im Sommer zu den Versammlungen des Althings auf Thingvellir, das heute Weltkulturerbe-Stätte der Unesco ist. Bei den Versammlungen fand die Verkündung von Gesetzen und die Ausübung der Gerichtsbarkeit statt. Eine zentrale exekutive Autorität gab es nicht.
 
Dieses System der isländischen Selbständigkeit herrschte bis ins 13. Jahrhundert vor – eine Periode, die rückblickend gerne als ein „Goldenes Zeitalter“ bezeichnet wird.
Während dieser Zeit, genauer im Jahre 1000, wurde in Island das Christentum, der katholische Glaube angenommen. Klöster und Bischofssitze werden Zentren des Lernens und der Literatur: die berühmten Sagas entstehen.1550 wird nach der Reformation dann der lutherische Glaube zur Staatsreligion. In demselben geschichtsträchtigen Jahr 1000 setzt Jahrhunderte vor Kolumbus ein Isländer seinen Fuß auf den amerikanischen Kontinent.
 
Im Jahre 1262 ist diese Phase der isländischen Geschichte  -  eine Republik im Zeitalter der Monarchien - jedoch zu Ende: Nachdem sich die führenden Familien auf Island jahrelang in fortwährenden Konflikten bekämpft haben, macht sich der norwegische König die Uneinigkeit der Isländer zunütze und unterwirft das Land der norwegischen Krone. Damit beginnt die lange Phase der Fremdherrschaft in Island, die erst mit der Ausrufung der isländischen Republik 1944 ihren endgültigen Abschluss findet.
Auf die norwegische Herrschaft folgt 1397 die Unterwerfung unter die dänische Krone mit der Folge, dass nach Jahren des Handels mit England und der Hanse 1602 ein dänisches Handelsmonopol und 1662 die absolute Monarchie eingeführt wird.

Das Wiedererlangen der Unabhängigkeit

Im 19. Jahrhundert erwacht, wie auch in Kontinentaleuropa, in Island der Wunsch nach einem Nationalstaat und nach staatlicher Unabhängigkeit, der sich nun Schritt für Schritt verwirklicht: 1874 mit der eigenen Verfassung, 1904 mit der Selbstverwaltung, jedoch noch immer als Bestandteil des dänischen Staates, 1918 mit der Gründung des isländischen Nationalstaates, jedoch noch in Personalunion mit dem dänischen König, und schließlich 1944 mit der Ausrufung der Republik Island als parlamentarischer Demokratie. Seitdem ist das Staatsoberhaupt ein vom isländischen Volk gewählter Präsident.

Das moderne Island

Das Land, im 2. Weltkrieg zunächst von britischen, dann von amerikanischen Truppen besetzt, wird in der Nachkriegszeit schnell Teil des internationalen Staatengeflechts: Mitglied der UNO, Mitglied der OECD, Gründungsmitglied der NATO, ergänzt von einem bilateralen Verteidigungsabkommen mit den USA 1951, das dem Land ohne Militär den Schutz der Amerikaner zusagt. Im Jahre 2006 haben die Amerikaner ihre Basis in Island jedoch geschlossen und Island muss seine Verteidigung neu strukturieren. 
1964 wird Island Vertragspartei des GATT, dem Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen, das später in die Welthandelsorganisation (WTO) eingegliedert wird. 
 
Zwar wird Island kein Mitglied der Europäischen Union, ist ihr aber durch verschiedene Verträge assoziiert. Zunächst tritt Island 1970 der europäischen Freihandelszone EFTA bei. Im Jahr 1994 wird Island dann Teil des europäischen Wirtschaftsraumes (EWR), und 2001 folgt der Beitritt Islands zum Schengener Abkommen. Im Jahr 2009 hat Island schließlich ein Beitrittsgesuch bei der Europäischen Union eingereicht. Nach dem Abschluss des Screening-Prozesses haben im Juni 2011 die Beitrittsverhandlungen begonnen.
 
Hinzu kommt die nordische Zusammenarbeit zwischen Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden, die 1952 mit der Gründung des Nordischen Rates eingeleitet wurde.
 
Island entwickelt sich nach dem Krieg zu einem modernen Staat, der nicht zuletzt in den achtziger Jahren mit seiner Präsidentin Vigdís Finnbogadóttir das weltweit erste gewählte weibliche Staatsoberhaupt stellt.
 


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