04.12.2012

Weihnachten in Island

 

… Heims um ból, helg eru jól
Stille Nacht, heilige Nacht…
 
… so klingt auch in Island dieses in vielen Sprachen bekannte Lied an Weihnachten durch die Lüfte. Denn Weihnachten in Island folgt den westlichen Traditionen und hat doch – wie in jedem anderen Land auch – seine ganz spezifischen Besonderheiten. (Foto: www.1.is)
 
Vorweihnachtszeit
 
In den Wochen vor Weihnachten beginnt das Einstimmen auf das mittlerweile bedeutendste Fest im Jahr. Am 1. Advent wird in den Familien die erste Kerze am Adventskranz angezündet, und am 1. Dezember dürfen dann die Kinder das erste Türchen ihres Adventskalenders öffnen.
Neben dem Adventskranz gibt es außerdem das Adventuljós, ein Kerzenleuchter mit sieben (elektrischen) Kerzen, die in einem Dreieck angeordnet sind.
Ähnlich wie in den USA hat das Versenden von aufwendigen Weihnachtskarten, meist mit einem Familienfoto und einem kurzen Bericht über die Ereignisse des zurückliegenden Jahres, eine große Bedeutung in Island.
Mindestens einmal im Advent gehen die Erwachsenen mit Familie, Freunden oder Kollegen zum Jólahladbord, einem weihnachtlichen Buffet, das in den meisten Restaurants des Landes angeboten wird.
Die Kinder haben Weihnachtsfeiern in den Schulen, zu denen aber nicht der uns bekannte Weihnachtsmann kommt, sondern ein oder zwei der typisch isländischen Jólasveinar, der Weihnachtskerle. 
Für diese stellen die Kinder ab dem 12. Dezember auch allabendlich ihren schönsten Schuh auf die Fensterbank in der Hoffnung, dort am nächsten Morgen etwas Schönes vorzufinden. Der Tag des Hlg. Nikolaus hat hingegen keine besondere Bedeutung in Island.
 
St.-Thorlakurs-Tag
 
Am 23. Dezember, dem Tag des Hlg. Thorlakurs, wird traditionell Skata gegessen, d.h. scharf zubereiteter Rochen, der Weihnachtsbaum geschmückt und die letzten Geschenke werden besorgt. 
Thorlakur Thorlaksson war ein isländischer Priester im 12. Jahrhundert. Er starb am 23. Dezember 1193. Fünf Jahre später wurde er vom Althing, dem isländischen Parlament, heilig gesprochen.
 
Heiligabend und Weihnachten
 
Am Morgen des 24. Dezembers gehen viele Isländer zum Friedhof und stellen eine Kerze auf die Gräber ihrer Angehörigen.
Um kurz vor Sechs am Abend unterbrechen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkkanäle ihre Sendungen, bis um 18 Uhr mit dem Glockenspiel der Domkirche von Reykjavik der Beginn des Weihnachtsfestes eingeläutet wird.
Dann gehen die Familien in die Kirche oder beginnen mit dem Abendessen. Früher wurde zu Weihnachten in den Familien ein Lamm geschlachtet und davon Fleischsuppe gemacht. Heute essen viele Isländer an Weihnachten Schneehuhn, Hangikjöt mit Laufabraud, d.h. geräuchtertes Lamm mit Fladenbrot, oder Schinken.
Die Kinder werden ein wenig auf die Folter gespannt, denn erst wenn alle aufgegessen haben und alles aufgeräumt ist, dürfen die Geschenke geöffnet werden. Und dann darf, wie auch in  anderen nordischen Ländern, der Tanz um den Weihnachtsbaum nicht fehlen.
Der 25. und 26. Dezember sind landesweite Feiertage und werden in den Familien begangen.
Ein alter isländischer Brauch besagt übrigens, dass jeder zu Weihnachten ein neues Kleidungsstück bekommen muss. Wer sich nicht daran hält, wird von der Weihnachtskatze aufgefressen, die mit der Familie der Weihnachtskerle in den Bergen wohnt.
 


Inspired by Iceland