28.10.2008

Die weltweite Liquiditätskrise und die wirtschaftlichen Turbulenzen in Island

  • Island als moderne globalisierte Volkswirtschaft und aktives Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum war eines der ersten Länder, die von der beispiellosen Krise der Finanzmärkte betroffen wurden.
  • Die globale Finanzkrise hat die isländischen Familien hart getroffen. Viele haben ihre Ersparnisse und Lebensversicherungen verloren, etliche könnten ihre Häuser verlieren. Die einfachen Isländer sind gegenwärtig mit düsteren Wirtschaftsprognosen konfrontiert, obwohl sie nicht für die Bankenkrise verantwortlich sind. Die Inflation ist mittlerweile im zweistelligen Bereich, Auslandsverschuldung und Arbeitslosigkeit steigen.
  • Die isländischen Banken mit internationalen Finanzgeschäften (Landsbanki, Glitnir Bank und Kaupthing Bank) haben in voller Einhaltung der europäischen Bankengesetze und der striktesten internationalen gesetzlichen Standards operiert.
  • Wie viele Banken weltweit sind auch die isländischen Banken schnell Opfer der globalen Liquiditätskrise geworden, als das Vertrauen auf den Märkten schwand, ungeachtet dessen, dass sie praktisch kein direktes Engagement in US-Subprimekrediten hatten.
  • Die Größe des isländischen Bankensektors im Vergleich zur gesamten Volkswirtschaft des Landes hat die isländischen Banken angreifbarer für die weltweite Liquiditätskrise gemacht.
  • Als die Kapitalmärkte versiegten, wurden Glitnir Bank und Landsbanki, zwei von drei der grössten Geschäftsbanken Islands, von der isländischen Regierung am 7. Oktober unter staatliche Aufsicht gestellt.
  • Die isländische Volkswirtschaft ist besonders hart betroffen, da diese drei Banken, die verstaatlicht wurden, den Großteil des Finanzsystems in Island ausmachten.
  • Am 8. Oktober hat die britische Regierung das Antiterrorbekämpfungs- und Sicherheitsgesetz aus dem Jahr 2001 gegen die isländische Bank Landsbanki angewandt, mit der „Landsbanki Freezing Order 2008“ durch das britische Finanzministerium.
  • Das ist das einzige Mal, dass ein NATO-Mitgliedsstaat eine Antiterrorgesetzgebung gegen einen anderen NATO-Verbündeten angewandt hat. Dies wurde ohne Konsultation mit der isländischen Regierung so entschieden und erlassen.
  • In anderen Ländern haben Regierungen und Zentralbanken mit den isländischen Banken kooperiert, um die durch die internationale Finanzkrise verursachten Probleme umsichtig und wohlüberlegt zu lösen.
  • Die Entscheidung der Anwendung der britischen Antiterrorgesetzgebung gegen die isländische Bank Landsbanki hat das Vertrauen in Islands verbleibende und größte Bank Kaupthing untergraben. Die Blockierung aller weiteren Geschäftaktivitäten von Singer & Friedländer, der Niederlassung von Kaupthing, durch die britische Finanzaufsicht (Financial Services Autority) am 8. Oktober führte zu der Situation, infolge deren die isländische Regierung sich gezwungen sah, Kaupthing Bank am 9. Oktober unter ihre Aufsicht zu stellen.
  • Die beispiellose Anwendung der Antiterrorgesetzgebung hat die Devisengeschäfte zwischen Island und Großbritannien schwerwiegend gestört. Exporteure haben ernsthafte Schwierigkeiten, ihre Lieferungen bezahlt zu bekommen. Importeure können ihre Rechnungen nicht bezahlen. Isländer im Ausland, Studenten und Familien sind mit Schwierigkeiten und Verzögerungen des Geldeingangs aus Island konfrontiert. Isländer im Ausland mußten selbst verbale Beschimpfungen in den Medien, in Geschäften und auf der Straße erdulden.
  • Die Regierung Islands hat ihre Kredite und Verbindlichkeiten immer erfüllt. Die Regierung hat erklärt, dass Island seinen gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen wird.
  • Island arbeitet konstruktiv mit anderen Ländern zusammen, um Themen anzusprechen, die im Zusammenhang mit der Bankenkrise entstanden sind. Es werden Beratungen mit den nordischen Ländern, Deutschland, Belgien und Luxemburg geführt. Island ist in Gesprächen mit Großbritannien und den Niederlanden und ist zu analogen Gesprächen mit anderen Ländern bereit, sofern erforderlich.
  • Am 24. Oktober hat die isländische Regierung ein Übereinkommen mit einer Mission des Internationalen Währungsfonds (IWF) über ein Wirtschaftstabilisierungsprogramm erzielt, das durch eine Stand-by-Vereinbarung mit dem IWF unterstützt werden könnte.
Die Grundlagen der isländischen Wirtschaft sind solide und bilden ein festes Fundament, um die gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden und notwendige Reformen einzuleiten.



Inspired by Iceland